Durch den „Sturm“ in den „Schnee“ – Patrick Dollmann über seinen kreativen Werdegang

Durch den „Sturm“ in den „Schnee“ – Patrick Dollmann über seinen kreativen Werdegang

Frankfurt am Main. Seine wohl bekannteste Rolle ist die des netten Tierarztes und Bürgermeisters „Henry Achleitner“ in „Sturm der Liebe“. Nun kehrt Patrick Dollmann den Fernsehkameras den Rücken, zumindest vorübergehend. Der Schauspieler und Regisseur geht seiner ersten großen Leidenschaft nach – dem Theater. Bis Januar ist der gebürtige Neuwieder erneut als „Fritz Hagedorn“ in Kästners „Drei Männer im Schnee“ zu sehen. Zum Auftakt des Stücks in Frankfurts Fritz Rémond Theater sprach Lejla Becirovic mit Dollmann über seine Zeit bei ARDs beliebter Telenovela und wie vielfältig anwendbar Kreativität in Film und Theater sein kann.


Das Stück „Drei Männer im Schnee“ wurde nach dem großen Erfolg letztes Jahr nun wieder aufgenommen. Was hat Sie daran gereizt „Fritz Hagedorn“ ein zweites Mal zu verkörpern?

Dollmann: Fritz ist ein charmanter Charakter. Als Werbefachmann zeigt er großes Engagement und er brennt für seinen Job. Leider hat er das Pech, dass ihm immer im wichtigen Moment die Anstellung abhanden kommt, zum Beispiel durch den Neffen des Personalchefs. Dadurch wird es ihm unmöglich gemacht zu zeigen was er kann. Solche Situationen spiegeln sich in der heutigen Gesellschaft wieder und das war einer der Hauptgründe für meine Rückkehr zu dieser Rolle.

Der Bonus ist das Ensemble. Die Kollegen sind großartig, die Regie wunderbar und das Haus (Fritz Rémond Theater) ist toll. Ich kam jeden Abend voller Freude hier her, sodass mir die Entscheidung leicht gefallen ist „Fritz“ nochmals zu spielen.

Nun sind Sie seit über 20 Jahren als Schauspieler, aber auch als Regisseur tätig. Betrachten Sie Ihre eigenen Rollen ab und an auch vom Standpunkt des Regisseurs?

Dollmann: Natürlich hat man Vorstellungen vom Charakter und den Gefühlen, die auf einen einwirken. Es ist immer ein kreativer Prozess auf der Bühne. Idealvorstellungen hingegen brechen, sobald man da steht. Man spielt einfach. Da kann es sein, dass man einen Satz anders betont, die Mimik oder Gestik ändert, und die Kollegen reagieren sofort darauf. Nach langen Probezeiten kennt man sich untereinander so gut, dass feine Nuancen bzw. Änderungen in der Performance spürbar sind.

Dieses Gespür hat man zu Beginn der Karriere vermutlich noch nicht. Ihre Anfänge hatten Sie bekanntlich in der Grundschule. Welche Rolle spielte Ihr Umfeld bei der Entfaltung eines kreativen Berufs?

Dollmann: Einen ganz großen Einfluss! Ich habe das Künstlerische geliebt und die Tendenz zum Film war seither sehr stark. Mein Grundschullehrer hat das erkannt und nahm mich in die Video AGs mit. Da habe ich das erste Mal vor der Kamera gespielt und das hat mich inspiriert private Kurzfilme zu drehen. Schreckliche Dinger, die nur bei Familienfeiern ausgepackt werden! (lacht) In der weiteren Schullaufbahn hatte mich meine Kunstlehrerin zusätzlich gepusht. Mein Interesse für einen künstlerischen Beruf wurde somit nie hinterfragt. Für die Schauspielerei habe ich mich letztlich entschieden, weil hier verschiedene Künste zusammenkommen. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.

Würden Sie sagen, dass Ihre Kindheit auf dem Land die Kreativität gefördert hat?

Dollmann: Ich war als Kind in jeder Hinsicht kreativ, habe immer gebastelt und gebaut. Ich hatte das Glück, dass ich diese Ader ausleben konnte. Die Abwesenheit von Einschränkungen gab mir die Freiheit zu tun und zu lassen was ich wollte. Meine Familie hat mein Interesse erkannt und mich damit in Ruhe gelassen. Damals sind sie bei meinen Filmprojekten kopfschüttelnd vorbeigelaufen, heute sind sie davon immer noch fasziniert. Im Gegensatz zu früher stehen sie nun alle hinter mir, spätestens seit ich bei „Sturm der Liebe“ dabei bin.

Warum speziell seit dem „Sturm“?

Dollmann: Zum einen hat mein Schauspiel bis dahin an Qualität gewonnen, dadurch dass ich das Handwerk gelernt habe. Zum anderen weil Schauspieler größtenteils noch mit dem Fernsehen assoziiert werden. An Theater denken hierbei die wenigsten.

In der 15. Staffel von „Sturm der Liebe“ in der Sie mitspielten, haben Frauen die Drehbücher geschrieben und waren die Produzentinnen, während Männer Regie führten. Ist das Ihrer Meinung nach eine stereotypische Konstellation für eine Telenovela mit „Märchencharakter“?

Dollmann: Es ist tatsächlich eine bunte Mischung. Die Regisseure am Set sind im ständigen Austausch mit den Schauspielern und Drehbuchautoren, machen Vorschläge „Könnte man der Figur nicht mal diese Farbe geben?“, „Kann man sie in diese Richtung schieben?“. Dies wird natürlich mit dem Headautor diskutiert. Obwohl der Produzent das letzte Wort hat, wird gleichermaßen mit jedem gesprochen und die Meinung jedes einzelnen zählt.

Henry Achleitner (Patrick Dollmann) und Joshua Winter (Julian Schneider) geraten aneinander.

Am Beispiel des Stücks „Drei Männer im Schnee“: Gäbe es Veränderungen wenn es nicht von Pia Hänggi inszeniert würde, sondern von einem Mann?

Dollmann: Natürlich, denn Frauen sehen Nuancen, die Männer nicht sehen. Eine Frau kann einer männlichen Figur mehr weibliche Züge verleihen, einfühlsamere Eigenschaften. Hätte ein Mann das Stück inszeniert, hätte es gut sein können, dass Hagedorn viel kantiger gewesen wäre. Ein männlicher Regisseur hätte es nicht besser oder schlechter gemacht, sondern einfach anders.

Würden Sie sagen, dass Frauen oder Männer kreativer sind?

Dollmann: Das kann ich nicht beantworten. Ich habe in die eine, als auch die andere Richtung viel Kreativität erlebt.

Dies hängt natürlich auch von den Umständen ab, den Projekten, der Persönlichkeit der Mitwirkenden…

Dollmann: Vollkommen! Gerade in der Künstlerwelt müssen alle kreativ sein, deswegen kann ich das nicht beantworten. Das wäre falsch. (lacht)

Zu guter letzt: Wer sollte sich „Drei Männer im Schnee“ ansehen?

Dollmann: Alle Menschen, aber vor allem diejenigen, die vergessen haben, wie gut wir es in der heutigen Gesellschaft haben. In der Geschichte geht es um den Standesdünkel, die drei Klassengesellschaft, wodurch auch die Komik und die Verwechslung entstehen, doch ich möchte nicht zu viel verraten!

Lejla Becirovic im Gespräch mit Schauspieler Patrick Dollmann
Copyright: Lejla Becirovic

Quellennachweis Titelbild: © Jenrick Mielke

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