Für Sie gelesen: Geschlechterunterschiede im Gehirn?

Für Sie gelesen: Geschlechterunterschiede im Gehirn?

Vollständiger Titel: Die wahren Unterschiede zwischen dem männlichen und weiblichen Gehirn

Von: Dean Burnett

Erschienen bei: The Guardian, „Brain Flapping“, Dezember 2013

Darum geht’s: Im Text äußert Kolumnist Dean Burnett harte Kritik an einer Studie, welche die Unterschiede zwischen den Gehirnen von Männern und Frauen aufzeigen soll.

Ziel: Ziel war es, zu bestätigen, dass Geschlechterunterschiede bereits im Gehirn zu erkennen sind.

Design: Für die Studie wurden Gehirne von 428 Männern und 521 Frauen im Alter von 8 bis 22 Jahren mit Hilfe der Diffusions-Tensor-Bildgebung gescannt und untersucht. Durch die verwendete diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie kann die Bewegung von Wassermolekülen gemessen und bildlich dargestellt werden. Die dargestellten Verbindungen ähneln einem Straßensystem, über das der Verkehr des Gehirns fließt.

Ergebnis: Die Gehirnscans zeigen, dass das weibliche Gehirn über eine größere Konnektivität zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte verfügt. Die Konnektivität im männlichen Gehirn hingegen ist eher auf eine der beiden Gehirnhälften beschränkt. Bloß in der Region des Kleinhirns, das vor allem für motorische Fähigkeiten von Nutzen ist, überwiegt das männliche Gehirn bei den Verbindungen zwischen den beiden Hemisphären.

Diese Unterschiede von Verbindungen sollen auch bestätigen, dass Frauen eher für Multitasking geeignet sind. „Wenn man sich funktionale Studien ansieht, ist die linke Seite des Gehirns für logisches Denken zuständig, die rechte Seite eher für intuitives Denken. Wenn es also eine Aufgabe gibt, die darin besteht, beides zu tun, scheint es, dass Frauen fester verdrahtet sind und es besser machen.“

Durch die Bilderhebungen können auch weitere Stereotypen bestärkt werden. Beispiele sind verbesserte motorische und räumliche Fähigkeiten und eine größere Neigung zu körperlichen Aggressionen bei Männern sowie ein besseres Gedächtnis und ein höheres Empathievermögen bei Frauen. Zusätzlich zu den charakteristischen Eigenschaften wird auch ein Einblick in die äußerlichen Eigenschaften der Gehirne gegeben: Männer haben proportional zu ihrem größeren Torso eine größere Schädeldecke sowio einen höheren Prozentsatz an weißer Substanz, während das weibliche Gehirn einen höheren Prozentsatz an grauer Substanz aufweist.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie ist, dass während der Reifung im Gewebewachstum zwar ein anatomischer Geschlechterunterschied zu erkennen ist, es jedoch keine zu beobachtenden Verbindungen an Verhaltensunterschieden gibt.

Kritik: Dean Burnett äußert die Kritik, dass selbst die surrealsten Begriffe mit Hirnbildgebungstechniken zu „bestätigen“ wären. Viel eher sollte man die Überlegung in Erwägung ziehen, dass sich die menschlichen Gehirne in Übereinstimmung mit dem entwickeln, was es erlebt, egal ob im männlichen oder weiblichen Kopf. Warum trotz dieser offensichtlich klingenden Tatsache viel Kraft in Studien wie die kritisierte gelegt wird, weiß Burnett auch zu beantworten: „This would suggest that there aren’t actually any marked differences between male and female brains. However, this would mean that there is no scientific basis for all of our stereotypes and prejudices about what certain sexes should/shouldn’t do and they all stem from irrational or unpleasant cultural influences that haven’t gone away yet, forcing us to admit to ourselves that our preconceived notions about certain sexes or genders are just self-fulfilling clichés with no logical basis, potentially threatening our beliefs, our positions and even our identity. And we can’t have that, can we.“


Quellen: Dean Burnett, Male and female brains: the REAL differences (2013). In: The Gurdian https://www.theguardian.com/science/brain-flapping/2013/dec/04/male-female-brains-real-differences

Ian Sample: Male and female brains wired differently, scans reveal (2013) In: The Gurdian, https://www.theguardian.com/science/2013/dec/02/men-women-brains-wired-differently

Madhura Ingalhalikar, Alex Smith, Drew Parker, Theodore D. Satterthwaite, Mark A. Elliott, Kosha Ruparel, Hakon Hakonarson, Raquel E. Gur, Ruben C. Gur, and Ragini Verma: Sex differnces in the structural connectome of the human brain. In: PNAS https://www.pnas.org/content/111/2/823


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