Genderqueer und kreativ, Teil I

Genderqueer und kreativ, Teil I

Umfrageergebnisse zum Thema Kreativität als Genderausdruck

Wir haben uns für das Thema Kreativität dieses Mal an unsere Mitmenschen mit genderqueer und transgender Identitäten gewendet. Hierfür haben wir eine kleine Umfrage gestaltet und ausgewertet, in der wir Transfrauen, Transmänner, sowie agender, genderfluide und nichtbinäre Personen zum Thema Kreativität befragt haben.


Genderqueer und vielfältig kreativ
Foto: The Gender Spectrum Collection, Zackary Drucker (https://broadlygenderphotos.vice.com/)

Heute liefern wir euch erstmal die Ergebnisse der Umfrage. In ein paar Tagen werden wir dann im Folgebeitrag mit einem Interview tiefer ins Thema einsteigen.
An unserer Umfrage nahmen über zwanzig Personen aus Europa und den USA teil. Diese waren im Alter von zwanzig bis vierzig Jahren.Unsere Umfrageteilnehmer gaben allesamt an, mindestens ein kreatives Hobby zu haben. Die meisten hatten sogar drei oder vier!
Kein Wunder, denn gerade beim Thema Geschlechtsidentität spielt die Möglichkeit, sich kreativ auszuleben, eine große Rolle.

Ein Großteil der Befragten schrieb, dass sie sich mit ihrer Geschlechtsidentität durch Zeichnen und Schreiben auseinandergesetzt haben. So etwa durch Comics zu dem Thema, Zeichnungen ihres Wunschaussehens oder Geschichten mit Charakteren unterschiedlicher Geschlechter. Eine Person sagte hierzu:

„[Ich] verwendete Zeichnungen, um meine Wünsche und Gefühle auszudrücken, [es] half mir herauszufinden und zu akzeptieren, dass ich transgender bin.“

Übersetzt aus dem Englischen, Originalzitat: „Used drawings to express desires and feelings, helped figure out and come to terms with being transgender.”

Auch Cosplay und Drag-Auftritte wurden hier aufgelistet. Ungefähr 78% der Befragten leben ihre Identität auch durch ihre alltägliche Kleidung und ihr Auftreten aus.
Als es dann um die bevorzugten kreativen Hobbies ging, unabhängig vom Thema Geschlechtsidentität, gewann dennoch Zeichnen und Malen mit Abstand. Über 90% der Befragten gaben an, dass sie Zeichnen, Malen oder ähnliches. Die nächstbeliebtesten kreativen Hobbies waren Schreiben, mit 67 Prozent und Gamedesign mit ca. 56 Prozent. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass die Umfrage über das Chat- und Messaging-Medium Discord und die Social Media Plattform Twitter verteilt wurde. Zwei Kanäle, die gerade bei Spieleentwicklern beliebt sind. Jedoch ist auch bei uns an der Hochschule Darmstadt zu beobachten, dass der Studiengang „Animation and Game“ im Vergleich zu den anderen Studiengängen eine besonders hohe Anzahl an Studierenden hat, die queer sind.

Rund 20 Prozent der Umfrageteilnehmer arbeiten auch in kreativen Feldern, als Freelance Artists, Spieleentwickler und weiteres. Im Allgemeinen verbringt mit 30,8 Prozent ein Großteil der Befragten zwischen 20-40 Stunden pro Woche mit kreativen Aufgaben auf der Arbeit, während die nächstgrößere Gruppe von 23,1 Prozent höchstens eine Stunde pro Woche für den Job damit verbringt, was im Zusammenhang mit der Art ihres Berufs stehen dürfte.

Im Gegensatz hierzu wird in der Freizeit hauptsächlich zwischen 5-10 Stunden für kreative Hobbies aufgebracht. Abgesehen von den bereits genannten Freizeittätigkeiten wurden auch Hobbies wie Holzarbeit, Basteln, Schneidern, Musik, 3D Kunst, Bildhauerei und Häkeln genannt. Und obwohl die größte Gruppe pro Woche zwischen 5-10 Stunden kreativer Tätigkeit angab, lag die Durchschnittszeit aller Befragten dennoch bei über 10 Stunden. Ein paar gaben sogar an, dass sie über 40 Stunden in der Woche kreativen Hobbies nachgehen.

Kreativität dient also vielen Zwecken. Sie ist Identitätserforschung, Selbstverwirklichung und Lebensunterhalt, doch auch einfach Unterhaltung und Entspannung.

Vielen Dank noch einmal an unsere Umfrageteilnehmer!

Headerbild: The Gender Spectrum Collection, Zackary Drucker (https://broadlygenderphotos.vice.com/)

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