Kreative Köpfe: Joseph Beuys

Kreative Köpfe: Joseph Beuys

Hut, Filz und Fett – an diesen drei Merkmalen erkennt man den Künstler Joseph Beuys (1921-1986). Seine Kunst machte ihn zu einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts, gleichzeitig war er aber auch einer der umstrittensten. Er inspirierte zahlreiche Menschen, denn: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“


Beuys ging ohne Abschluss von der Schule ab und meldete sich 1941 freiwillig zur Luftwaffe – verpflichtend für zwölf Jahre. Sein Ziel war es, Pilot zu werden. Aber aufgrund seiner Rot-Grün-Blindheit blieb dies nur ein Wunsch. Während eines Kriegseinsatzes auf der Krim stürzte eine Maschine samt Beuys ab. Er lag für zwei bis drei Wochen leicht verletzt in einem Feldlazarett. Aus diesem Unglück entstand ein großer, bis heute anhaltender Mythos um den Künstler. Denn er berichtete, er sei schwer verletzt gewesen, Krimtataren hätten ihn mit Filz gewärmt und seine Wunden mit Fett behandelt. So sei ihm das Leben gerettet worden. Wie der Absturz tatsächlich abgelaufen ist oder wie Beuys tatsächlich von den Tataren gepflegt wurde – das wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben:

Joseph-Beuys-Poster für eine Vortragstournee durch die USA:
Energy Plan for the Western Man, 1974,
organisiert von dem Galeristen Ronald Feldman, New York.
© Ronald Feldman

„Die Erinnerung an diese Ereignisse sind Bilder, die sich mir tief eingeprägt haben. Ich erinnere mich an den Filz, aus dem ihre Zelte gemacht waren, an den scharfen Geruch von Käse, Fett und Milch. Sie rieben meinen Körper mit Fett ein, damit die Wärme zurückkehrte, und wickelten mich in Filz ein, weil Filz die Wärme hält.“
– Joseph Beuys

Die Welt

Aus dem Flugzeugabsturz sind Beuys Leitmotive entstanden. Der Grundstein seiner Kunst, aber vor allem für seine favorisierten Materialen, waren gelegt: „Beuys wird blöckeweise Fett aufschichten in Museen und Galerien, und an ihren Wänden wird immer wieder dicker, brauner Filz seine Falten werfen. Wenn die Besucher rätselnd davorstehen, erzählen sie sich die Geschichte des Mannes, der vom Himmel fiel und gerettet wurde“, beschreibt es Die Welt.
Der deutsche Künstler zielte mit seinen Kunstwerken und -aktionen auf grundsätzliche Sinnfragen: Wie kann Kunst in der Industriegesellschaft existieren? Welche neuen Aufgaben kommen der Kunst zu? Mit den immer wieder verwendeten Materialen – Filz, Fett und Honig – wollte Beuys den Symbolwert des Materials betonen – basierend auf den Erlebnissen seiner Verwundungszeit im Krieg.

Beuys – Trailer zum Film

Erweiterung des Kunstbegriffs

Bei einer persönlichen Krise um 1955 überdachte Beuys seinen Kunstbegriff und bildete sich einen neuen. Demnach dürften Kunst und Leben nicht voneinander getrennt betrachtet werden: Kunst und Leben sollten sich gegenseitig durchdringen und erhellen. Beuys wollte weg von formal-ästhetischen Maßstäben und festgelegten Gestaltungsprinzipien: Kunst solle ein Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozess sein. Diese Theorie beschrieb Beuys als „Soziale Plastik“. Eine Plastik war bislang ein dreidimensionales Objekt, mit seiner Vorstellung sprengte der Künstler diese Grenze. Plastik sei ein Evolutionsprozess, zwischen Gegensätzen und Grenzüberschreitung. „Er beschränkte die Kunst nicht auf ein abgeschlossenes Werk, sondern bezog das kreative Denken und Handeln des Menschen ein sowie alle Bereiche, die in der Gesellschaft und in den sozialen Beziehungen wirken“, heißt es auf Focus. Für Joseph Beuys ist jeder Mensch ein Künstler.

„Er ist ein Künstler, ob er nun bei der Müllabfuhr ist, Krankenpfleger, Arzt, Ingenieur oder Landwirt. Da, wo er seine Fähigkeiten entfaltet, ist er Künstler. Ich sage nicht, dass dies bei der Malerei eher zur Kunst führt als beim Maschinenbau.“
– Joseph Beuys

Das Kreative Universum

Im April 1970 richtete Joseph Beuys seinen „Beuys Block“ – ein umfassendes Gesamtwerk aus Zeichnungen, plastischen Bildern und Rauminstallationen – im Hessischen Landesmuseum Darmstadt ein. Es ist sein weltweit größter Werkkomplex. In sieben Räumen sind die 290 Arbeiten aus den Jahren 1949 bis 1972 ausgestellt.

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