Kreativitätscoaching – „Beschreiben Sie sich selbst als einen Garten!“

Kreativitätscoaching – „Beschreiben Sie sich selbst als einen Garten!“

Kerstin Kuschik ist Fachfrau für Stimmigkeitsangelegenheiten – sie arbeitet als Heilpraktikerin und Coach in Frankfurt am Main. Ihre Themen sind Kommunikation, Präsenz, Stimme und Kreativität. Ein Gespräch über Kreativitätstechniken, Teddybären und die Genderfrage.


Guten Tag Frau Kuschik, was bedeutet Kreativität für Sie auf den Punkt gebracht? Und ist sie erlernbar?

Kreativität ist die Fähigkeit schöpferisch zu sein. Man kann sie auch als ein Potential verstehen, dass jedem Menschen zur Verfügung steht. Es geht darum, sich damit zu verbinden – und das kann jeder lernen.

Was sind die Voraussetzungen, um kreativ sein zu können?

Offenheit, Neugier sowie Mut sich auszuprobieren und zu scheitern. Risikobereitschaft, die so weit gehen kann, dass man den eigenen Lebensentwurf in Frage stellt. Die Fähigkeit zur Reflexion. Alles Dinge, die uns befähigen ein glückliches Leben zu führen. Und auch wichtig: versinken können, ob in ein gutes Buch, in die Natur oder in sich selbst.

Warum fühlen sich Leute gehemmt kreativ zu sein?

Scham spielt eine große Rolle. Viele haben Angst vor Ablehnung oder fragen sich, wem das Erschaffene nützt. Wir sind umgeben von Werten, die uns suggerieren, dass nur wer erfolgreich ist, auch glücklich wird. Mit Kreativität fällt man möglicherweise aus dem Rahmen.

Verraten Sie uns ein paar ihrer Kreativitätstechniken?

Ich finde alles kreativ, was hilft, die Perspektive zu wechseln, offener zu werden und Bewertungsmuster abzustellen. Eine Übung kann sein, Dinge aufzuzählen, die man inspirierend findet und sich zu fragen: Was macht das mit mir? Das nächste Mal steigt man vielleicht eine Busstation früher aus und folgt einer Inspiration und besucht z.B. einen bestimmten Laden. Wenn ich Sie frage, wer Sie sind, denken Sie an ihr Alter oder ihre Heimatstadt – ihre gewohnten Selbstbeschreibungsnarrative. Stattdessen könnte ich auch sagen: Beschreiben Sie sich als Garten! – Es geht darum die Fantasie mitreinzunehmen, das Unterbewusstsein, das in Metaphern spricht. Klienten, die Hemmungen haben, etwas Neues zu wagen, gebe ich ein Stück Knetmasse, mit dem sie ihren inneren Perfektionisten formen sollen. Viele merken, dass es fast nicht gelingt, etwas zu tun, ohne es zu bewerten. Wenn jemand Schwierigkeiten hat, andere anzusprechen, kann es eine Übung sein, Leute in der Supermarktschlange etwas zu fragen. Ein Klient hat einen Tag lang seinen Teddybär mitgenommen. Danach kann man sich fragen: Wer hat es wahrgenommen? War es so beschämend wie befürchtet? Was hat einen positiv überrascht?

Was haben die Leute, die ihre Kreativitätsseminare besuchen gemeinsam?

Sie haben den starken Impuls etwas zu verändern. Sie empfinden meist schon sehr lange ein Mangel an Kreativität in ihrem Leben. Sie sind offen und neugierig – achja und es nehmen mehr Frauen teil.

Das ist ja interessant. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ja, Männer sind festgelegter auf eine bestimmte Rolle. Frauen sind in der Regel von ihren Rollenerwartungen her breiter aufgefächert. Frauen organisieren ihren Alltag vielschichtiger und sind es oft gewohnt, ihre berufliche Karriere um- oder anders zu gestalten. Sie sind flexibler und definieren sich öfter neu als Männer. Sie bleiben auf diesem Kanal offener und bei vielen passen ganz einfach die freien Zeitfenster besser.

Würden Sie sagen, Männer und Frauen gehen unterschiedlich an Kreativitätsübungen heran?

Auf jeden Fall. Männer wollen oft erstmal verstehen, warum sie eine Übung machen. Wenn sich dagegen für Frauen etwas gut anfühlt, ist es für sie Grund genug, das ausprobieren zu wollen. Sie sind oft verbundener mit ihren Emotionen und ihrem Körper als Männer.

Und wer ist kreativer – Männer oder Frauen?

Weder noch. Klar, die Museen hängen voll mit Kunstwerken von Männern. Aber das liegt nicht daran, dass Männer kreativer sind, sondern daran, dass wir in einem Patriarchat leben. Männer achten gut auf Männer. Wenn ich mir Kunst von Frauen anschaue, fällt mir auf, dass das Genre, die Werktreue von Frauen gerne mal überschritten wird. Und dass in den Werken von Frauen Gefühls- und Alltagswelten häufiger auftauchen.  Frauen ziehen ihre Inspirationen aus der sozialen Welt, in der sie leben – das würde ich mal als vorsichtige Hypothese formulieren.

Vielen Dank für Ihre Zeit!


Kerstin Kuschiks Homepage: www.brizzle.de

Titielbild: Kerstin Kuschik

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