Winnis Puppenhaus Museum bezaubert ganz Deutschland

Winnis Puppenhaus Museum bezaubert ganz Deutschland

Puppen und Puppenhäuser seien nur für Mädchen und Frauen gedacht? Von wegen! Winfried „Winni“ Gärtner aus Hainburg-Hainstadt beweist das Gegenteil: Der 71-Jährige baut seit 18 Jahren leidenschaftlich gerne Puppenhäuser, und das in großem Stil! Die zwei Meter hohen Kinderträume stellt Winni zwar bei sich zu Hause in der Werkstatt und in dem eigens dafür gegründeten Puppenhaus Museum in Hainburg aus, doch dienen sie hauptsächlich einem guten Zweck: Sie werden an wohltätige Einrichtungen gespendet und sollen Kinder glücklich machen.


Durch Liebe zur Leidenschaft

Heute spricht Winni über den Bau der Miniaturhäuser als hätte er nie etwas anderes getan. Doch der gelernte Kfz-Schlosser und spätere Großhandelskaufmann war 20 Jahre lang zuständig für die zentrale Verkehrsleitung am Frankfurter Flughafen, bevor er 1997 einen Herzinfarkt erlitt. Seinen Arbeitsplatz besuchte er weiterhin sporadisch, bis vier weitere Herzinfarkte ihn komplett aus dem Berufsleben rissen. Nun sah sich Winni mit viel Zeit und wenig Arbeit konfrontiert, und musste sich nach einer neuen Beschäftigung umsehen. Die Geburt ihrer Enkeltochter Lara im Jahr 2001, kam Familie Gärtner einem Segen nahe, denn von da an sollte sich Winni und Erika Gärtners Alltag drastisch verändern: Sie hatten nicht nur eine bezaubernde Enkelin bekommen, sondern fand Winni durch seine Liebe zu ihr seine neue Berufung.

Winni in seiner Werkstatt. © Hampe

„Ein Mädchen braucht ein anständiges Puppenhaus“, habe Winni damals nach der Geburt von Lara gesagt und sofort mit dem Bau begonnen. Als die Kleine alt genug war, um ihr Spielhaus genau unter die Lupe zu nehmen, fielen ihr Mängel auf: Das Haus habe weder Treppen noch einen Balkon und Zimmerbeleuchtung fehle auch. Hohe Ansprüche an Opa Winfried! Doch dieser zeigte sich einsichtig, und gestaltete das Haus mehrmals um, bis es den Ansprüchen seiner Enkelin entsprach. Was Lara nicht ahnte: Sie hatte in ihrem Opa eine Leidenschaft geweckt, die nicht zu stoppen sein würde.

Die Werkstatt im Hof

136 Puppenhäuser- und Stuben sind in den vergangenen 18 Jahren in Winnis Werkstatt entstanden. Die Werkstatt, ein geräumiges Häuschen im Hinterhof des Hauses Gärtner, bietet Winni genug Platz, um sich auszubreiten und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Woher er die Inspirationen hernimmt? „Die Ideen gehen mir nie aus. Wenn wir (seine Frau und er) auf Reisen gehen oder ich ein Haus in einem Ort sehe, dass mir gefällt, dann lasse ich mich auch davon inspirieren“, so Winni. Notizen macht er sich nie: „Wenn ich es einmal gesehen habe, bleibt es in meinem Kopf“. Ob ein Landhaus aus der ZDF-Serie „Rosamunde Pilcher“ oder einen Herrensitz aus dem Hollywood-Streifen „Vom Winde verweht“, Winni hat sie im Maßstab 1:12 bis ins kleinste Detail nachgebaut.

Sein ganzer Stolz ist jedoch ein anderes Prachtstück: Das „Hotel Paradies“. Ein 2008 errichtetes Hotel mit vier Ebenen und je vier Doppelzimmern, zwei Suiten mit Badezimmer, Rezeption, Restaurant, Großküche und inklusive einer Wirtschaft im Garten. Elektrik und Wasserversorgung wurden von Winni selbst verlegt und zum Laufen gebracht. Fünf Monate lang arbeitete er daran, drei Monate länger als an seinen anderen Exemplaren. „Es ist dem `Hessischen Hof`nachempfunden, einem vor 100 Jahren hier in Hainburg existierendem Hotel“, erklärt Gärtner. Den Ruhm für die Arbeit und die Liebe fürs Detail erntet er ungern allein, denn in jedem Haus stecke noch die Liebe und Hingabe seiner Frau Erika drin, die ihm mit Tat und Rat zur Seite steht.

Das Dream-Team

„Ich sag immer: Ich baue das Haus und meine Frau macht es wohnlich“, lacht Winni. Treffender könnte man es nicht beschreiben, denn Erika Gärtner macht es nicht nur wohnlich, sondern auch gemütlich für die Puppen und ansprechend für die Kinder, die letztlich mit den Häusern spielen werden. Sie näht und stickt, bastelt oder klebt jegliches Zubehör. Von Schulranzen, zu Tisch- oder Bettdecken, Ordnern oder Schnellheftern, Fleisch und Käse aus Knete – Erika Gärtner ist ein Multitalent im Herstellen von Accessoires und Dekor. „Dass er dann da weiterbaut, nach dem ersten Haus, damit hatte ich nicht gerechnet. Er hat dann vorausgesetzt: „Ja, meine Frau, die macht das schon!“, berichtet Erika über ihren Beginn an dem gemeinsamen Projekt. Nach 18 Jahren sind sie ein eingespieltes Team und könnten sich ein Leben ohne die Puppenhäuser nicht mehr vorstellen.

Leuchtende Kinderaugen 

Genauso wenig möchten die Besucher des mittlerweile deutschlandweit bekannten Puppenhaus Museums diese einzigartigen Exemplare missen. Nicht nur in Hainburg-Hainstadt sind die Gärtners allseits bekannt, denn durch unzählige Auftritte im deutschen Fernsehen und in den Printmedien, können sich Winni und Erika vor Anfragen kaum retten. „Im Frühjahr werden wir wieder zwei Busse zu Besuch haben, mit je 50 Leuten“, verkündet Erika Gärtner. Diese Besucher bekommen eine exklusive Tour durch Winnis Werkstatt und einen Besuch des 100 Quadratmeter großen Puppen Museums, begleitet durch Winni und spannende Anekdoten zu jedem einzelnen Exponat. Insgesamt 500 Exponate stellen die Gärtners im Museum aus. Davon wurden 163 von Winni und Erika gebaut und / oder restauriert, die restlichen Stücke sind Geschenke oder Spenden von Familien, die sie der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen möchten. Neben „Klosterhäusern“ aus dem Jahr 1841, finden sich auch modernere Stuben aus den 70er und 80er Jahren: Für alle Geschmäcker und Altersklassen ist etwas dabei.

Bei einem solchen Andrang ins Museum ist es nicht verwunderlich, dass die Gärtners auch private Anfragen bekommen, um ein Puppenhaus zu bauen. Winni lehnt diese aber kategorisch ab. Für ihn geht es um mehr als Geld, denn auch für den Museumseintritt verlangt er nur 2 Euro pro Person. Seine Frau und er möchten Gutes tun und spenden diese Häuser an wohltätige Einrichtungen und Krankenhäuser in ganz Deutschland. Die Einrichtungen können sich bei den Gärtners bewerben und werden von dem Ehepaar schließlich ausgesucht. Das Lehrkrankenhaus Elisabethenstift in Darmstadt als auch die Krebsabteilung der Universitätsklinik Frankfurt durften sich bereits daran erfreuen. Den Kindern wird während dem Spielen mit den Häusern erklärt, dass die Eltern an Krebs erkrankt sind. „Jedes Mal, wenn ich sehe, dass ein Kind vergisst, dass es im Krankenhaus ist und es schneller gesund wird, da kommen mir die Tränen“, schildert Winni seine Motivation hinter dem Häuserbau.

Sogar zu Weihnachten werkeln die Gärtners an einem neuen Projekt, das im Jahr 2020 noch mehr Kinderaugen zum Leuchten bringen soll. Winni und Erika Gärtner leisten wahrlich kreative und bewundernswerte Arbeit, und denken dabei bereits an neue Ideen und Modelle für kommende Puppenhäuser im Jahr 2020.

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